Sonntag, 23. Dezember 2007

Was mich an den "40.000 Punkten" stört

Kennt ihr die "40.000 Punkte"? Ich glaube, das ist das bekannteste christliche Theaterstück überhaupt:
Ein Mann findet sich nach seinem Tod im Vorzimmer des Himmels wieder. Dort bekommt er gesagt, dass er in seinem Leben 40.000 Punkte erreicht haben muss, um in den Himmel eintreten zu können. Doch auch die Aufzählung aller seiner guten Taten ergibt nicht genügend Punkte. Plötzlich latscht ein ziemlich schmuddeliger Typ an ihm vorbei, zeigt einen Gutschein vor und darf sofort eintreten.
Die Message ist hier natürlich, dass die Entscheidung, an Jesus zu glauben, gleichbedeutend einem Gutschein ist, der den Weg in den Himmel freimacht. Und gute Werke können das eben nicht.
(Kann man zum Beispiel hier lesen.)

Je länger ich über dieses Anspiel nachdenke, desto mehr stört es mich - und noch mehr: Es beunruhigt mich zutiefst! Wann haben wir Christen eigentlich die irrige Annahme entwickelt, dass wir einfach die Hände in den Schoß legen und trotzdem vor Gott als gerecht bestehen können?

Klar - wir können uns den Himmel nicht "verdienen". Aber mir kräuseln sich die Zehennägel, wenn ich in unseren Gästegottesdiensten immer wieder höre, dass wir "gar nichts zu tun" bräuchten, um gute Christen zu sein, oder wenn wir Lieder singen wie "Immer mehr von dir - gib uns mehr von dir, oh Herr!"

Woher kommt diese Konsumhaltung? Wo ist der Geist unseres Gründers hin, der die Menschen zur radikalen Umkehr rief, und der Menschen, die ihm folgen wollten, abwies mit den Worten, sie sollen erst all ihren Besitz den Armen schenken? (Matthäus 19:21)

Ich denke, ein bisschen mehr "Werkgerechtigkeit" täte uns Christen gut. Müssten nicht wir Christen die ersten sein, die zur Stelle sind, wenn irgendwo Not am Mann ist? Wieso sind wir oft die Letzten - wenn wir überhaupt kommen? Wieso brauchen wir dafür erst amerikanische Megakirchen, die es als neuen Trend vermarkten, sich um Bedürftige zu kümmern?

Was fehlte unserer Stadt, wenn unsere Gemeinden auf einmal nicht mehr da wäre? Würde man uns vermissen? Würden es die Bürger überhaupt bemerken?

Müssten nicht wir Christen diejenigen sein, die in der ganzen Stadt dafür bekannt sind, Kranke zu besuchen, in Altenheime zu gehen und die Senioren zu betreuen, die niemand mehr besucht, Obdachlose aufzulesen, mit ALG II-Empfängern auf Arbeitssuche zu gehen, Schulspeisungen anzubieten, Geld für Alleinerziehende zu sammeln?

Wieso sind wir so habgierig? Wir wollen mehr von Gottes Liebe - wir wollen, dass der Heilige Geist uns noch mehr erfüllt - wir wollen noch mehr spüren, dass Gott uns nahe ist. An alldem ist ja nichts Falsches, aber wieso geht es dabei immer um UNS? Wieso stellen wir uns selbst dabei so ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit und pflegen unsere eigenen Empfindlichkeiten? Wo - auch hier - ist der Geist unseres Gründers hin, der gesagt hat: "Geben ist seliger denn Empfangen?" (Apostelgeschichte 20:35)

Diese Fragen bewegen mich gerade. Und das schon ziemlich lange, denn diesen Text hier habe ich schon vor etwa einem Jahr geschrieben.
Ich bin selber auch ein fauler Sack, aber ich will es mir einfach nicht mehr so bequem machen wie bisher! Schon Vorsätze fürs neue Jahr gefasst...?

Kommentare:

misstee hat gesagt…

Ich stimm dir erst mal so allgemein zu. :-)
Das was du beschreibst, ist im Grunde das, was ich mit dem Enttäuschen meinte. Jesus nicht enttäuschen hat für mich nichts mit Druck oder Zwang zu tun, sondern damit, dass ich meinen Teil der Beziehung ausfülle. Mir Zeit nehme, diese Welt bewusst wahrnehme und die Menschen liebe.
Vielleicht erklärt es das ein bisschen besser.
Daran will ich im nächsten Jahr mal mehr denken.
Bin ja schon dabei.

schneekoenig hat gesagt…

Also... Sonja... damit würdest du eine Menge Christen vor den Kopf stoßen wenn du damit bewusst an die "Front" gehst. Ich glaube aber, dass du Recht hast und ich würde mitmachen. So lange die Tatsache, dass es halt Jesu Werk ist, das uns freimacht nicht, verdreht wird.